03/06 2008

Legasthenie und psychische Gesundheit

Ein Zusammenhang zwischen Leseschwierigkeiten und psychischer Gesundheit ist bei Weitem keine neue Entdeckung. Trotzdem ist Lesevansker og livsvansker („Leseschwierigkeiten und Lebensschwierigkeiten“)  das erste Buch in Skandinavien, das diese Themen miteinander verknüpft.

Forscher vom norwegischen Center für Verhaltensforschung und dem Lesecenter der Universität Stavanger haben zusammen mit Psychologen und Psychiatern der Stadt Bergen das Buch „Leseschwierigkeiten und Lebensschwierigkeiten – über Legasthenie und psychische Gesundheit“ verfasst.

„Das Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten in Zusammenhang mit der psychischen Gesundheit gesehen werden müssen, ist nichts Neues, aber das Spezielle mit unserem Buch ist, dass wir diese Themen miteinander verknüpfen. Es ist das erste Buch in Skandinavien, das Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten in Verbindung mit psychischer Gesundheit setzt“, sagt Edvin Bru, Professor der pädagogischen Psychologie und einer der Herausgeber des Buches, am Center für Verhaltensforschung der Uni Stavanger.  

Lesen und psychische Schwierigkeiten  

Im Buch wird eine neue Studie aus Bergen präsentiert, die einen offenbaren Zusammenhang zwischen Leseschwierigkeiten und psychischen Problemen bei Schülern in norwegischen Grundschulen aufweist. Die Untersuchung zeigt, dass besonders Kinder mit früh entwickelten und anhaltenden Leseschwierigkeiten am meisten unter psychischen Problemen leiden und das diese Schwierigkeiten über längere Zeit hinweg zunehmen. Ebenfalls der Studie zufolge nehmen die psychischen Schwierigkeiten ab, je besser sich die Lesekompetenz des Schülers entwickelt.  

„Es zeigte sich, dass diejenigen, die die Leseschwierigkeiten der ersten Jahre in der Grundschule überwanden, auch ihre psychische Gesundheit verbesserten. Diejenigen die am Ende der Grundschule noch immer mit Leseschwierigkeiten belastet waren, litten im größeren Maße an Angst und Depressionen. Dies kann andeuten, dass ein speziell frühes Eingreifen zum Verbessern der Lesekompetenz zu weniger Unruhe und Verhaltensschwierigkeiten unter den Kindern führt“, sagt Einar Heiervang, Forscher der Universität Bergen.  

„Es ist ebenso wichtig Schülern zu helfen, ihre Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten zu kompensieren, indem man ihnen hilft, gute Lernstrategien zu entwickeln und sich als leistungsfähig aufzufassen, obwohl die Rechtschreibung fehlerhaft sein sollte oder sie nicht genauso schnell wie die anderen lesen können“, so Edvin Bru.  

Frühe Hilfe wichtig 

Mehrere Artikelverfasser betonen, wie bedeutend frühe Diagnose (wenn möglich schon im Vorschulalter) und frühe Hilfe sind.  

„Dem Kind angepasste Hilfe ist wichtig. Den Kindern kann es besser psychisch ergehen, was wiederum zu einem besseren Meistern des Lesens und Schreibens führt. Von 15% der sechsjährigen Schüler mit schlechtester Lesekompetenz in der 1. Klasse lässt sich durch intensiven und strukturierten Unterricht in kleinen Gruppen der Prozentsatz von Schülern mit schlechten Lesefähigkeiten auf 2% reduzieren“ erzählt Torleiv Høien, der Nestor unter den Artikelverfassern und ehemaliger Leiter des Lesecenters.  

Høien unterstreicht, wie wichtig ein frühes und intensives Unterrichtsangebot ist, das auch eine direkte Kommunikation zwischen Lehrer und dem einzelnen Schüler erlaubt. 

„Dies erhöht Intensität, Aushalten und Häufigkeit des Arbeitens. Ein intensiver, strukturierter Unterricht 3 bis 4 Stunden in der Woche kann schon genug sein. Von Bedeutung ist auch, das einzelne Kind so zu stimulieren, dass es an den eigenen Erfolg glaubt“, sagt Høien und hebt hervor, wie wichtig das Ausrichten des Unterrichts auf dieses Erfolgserlebnis ist.  

(Diese Übersetzung beruht auf Teilen eines Artikels der Universität in Stavanger)